Mit einer Hochdruckspülung bekommen Sie Ablagerungen aus Grund- und Anschlussleitungen, die sich dort über viele Jahre angesammelt haben. Meist ist das Rohr schon deutlich verengt, lange bevor Ihnen Wasser im Keller entgegenkommt.
Wie ein Kanal nach und nach zuwächst
Küchenfett wird im kalten Rohr fest, und an dieser Schicht bleiben Haare und Sand hängen. Bei älteren Leitungen aus Steinzeug oder Beton, wie sie in vielen Bestandsgebäuden noch liegen, kommen eingewachsene Wurzeln dazu. Jede Engstelle verlangsamt den Abfluss. Fließt das Wasser langsamer, bleibt noch mehr Schmutz liegen, und das Problem schaukelt sich auf.
- Das Waschbecken gluckert, während die Waschmaschine abpumpt
- Am tiefsten Punkt im Haus, zum Beispiel am Bodenablauf im Keller, läuft das Wasser nur zögerlich ab
- Aus den Abflüssen oder dem Revisionsschacht riecht es faulig
- Nach kräftigem Regen bleibt das Wasser im Schacht länger stehen als gewohnt
Wenn Sie erst handeln, sobald Wasser aus dem Kellerablauf hochdrückt, ist die Leitung in den meisten Fällen bereits komplett zu. Aus einer Wartung, die sich gut planen ließe, wird dann ein Einsatz für den Notdienst.
Was bei einer Hochdruckspülung passiert
Der Profi schiebt einen speziellen Schlauch über den Revisionsschacht oder eine Reinigungsöffnung in das Rohr. Vorne am Schlauch sitzt eine Düse, aus der das Wasser schräg nach hinten herausschießt. Durch den Rückstoß arbeitet sich der Schlauch von selbst durch die Leitung. Dabei reißen die Strahlen die Beläge von der Rohrwand und schwemmen sie zurück in den Schacht, wo sie abgesaugt werden. Welches Werkzeug zum Einsatz kommt, hängt vom Befund ab: Gegen Fettbeläge helfen Rotationsdüsen, gegen Wurzeln oder hart gewordene Ablagerungen Fräsköpfe.
Für die Umwelt ist das Verfahren unproblematisch, denn es kommt nur Wasser zum Einsatz. Druck und Wassermenge stellt der Fachmann passend zu Material und Zustand der Leitung ein (bei alten, bereits angegriffenen Rohren geht er entsprechend behutsamer vor).
Spülen oder Spirale?
Hochdruckspülung
- Säubert das Rohr über den ganzen Querschnitt
- Löst Fett und Sand, mit passendem Werkzeug auch Urinstein
- Mit Fräskopf auch bei Wurzeln einsetzbar
- Funktioniert ganz ohne Chemie
Rohrspirale
- Praktisch bei einzelnen Verstopfungen, zum Beispiel am WC-Anschluss
- Stößt häufig nur ein Loch in den Pfropf
- Die Beläge an der Rohrwand bleiben drin
- Eher für kurze Leitungsstücke im Haus gedacht
Selbst Hand anlegen: Was Sie am Kanal prüfen können
Das Spülen überlassen Sie besser dem Fachbetrieb. Die regelmäßige Sichtkontrolle schaffen Sie aber mit ein paar Handgriffen selbst, und so bemerken Sie Probleme rechtzeitig.
Ihr jährlicher Kanal-Check in fünf Schritten
- Schacht aufmachenHeben Sie den Deckel ab und leuchten Sie hinein (eine kräftige Taschenlampe reicht völlig): Läuft das Wasser in der Rinne frei ab, oder steht es? Erkennen Sie Schlamm, Papier oder Wurzeln?
- Abfluss prüfenEine Person kippt im Haus mehrere Eimer Wasser in den Abfluss oder betätigt die Spülung. Die zweite Person schaut am Schacht, ob das Wasser zügig und ohne Rückstau ankommt.
- Rückstausicherung bewegenSchließen und öffnen Sie den Notverschluss von Hand. Er sollte sich leicht bewegen lassen. Betätigen Sie den Notverschluss etwa monatlich (DIN 1986-100/EN 13564). Die Norm sieht außerdem eine regelmäßige Wartung durch einen Fachbetrieb vor.
- Beobachtungen aufschreibenNotieren Sie Auffälligkeiten mit Datum. Damit findet der Fachbetrieb die Ursache schneller.
- Ergebnis und nächsten Termin festhaltenHeben Sie den Bericht nach einer Spülung gut auf und tragen Sie den nächsten Prüftermin direkt in den Kalender ein.
Wie oft sollte Ihr Kanal gespült werden?
Ein fester Spülrhythmus für private Hausleitungen existiert nicht. Es kommt vor allem auf Alter und Material der Leitung an und darauf, ob Bäume in der Nähe stehen. Die folgende Übersicht gibt Ihnen einen Anhaltspunkt:
Anhaltspunkte für Wartungsabstände
| Anlage | Empfehlung | Hinweis |
|---|---|---|
| Grundleitung, unauffällig | Schacht jährlich kontrollieren, Spülung bei Bedarf | Fettentsorgung über den Restmüll schont die Leitung |
| Ältere Leitung mit Baumbestand | Kamera-Inspektion in Abständen von einigen Jahren | Wurzeln wachsen auch in scheinbar dichte Verbindungen |
| Drainage | Spülung etwa alle 1–3 Jahre | Bei lehmigem Boden eher jährlich |
| Hebeanlage | Wartung je nach Nutzung, im Einfamilienhaus etwa jährlich | Intervalle richten sich nach DIN EN 12056-4 |
| Fettabscheider (Gastronomie) | Entleerung spätestens alle 4 Wochen | Vorgabe nach DIN 4040 bzw. EN 1825-2 |
Richtwerte, Stand 2026. Wie oft tatsächlich gewartet werden muss, hängt vom Zustand der Leitung ab.
Notdiensteinsätze nachts oder an Feiertagen werden meist mit Zuschlägen abgerechnet; ein vereinbarter Wartungstermin kommt Sie in der Regel günstiger.
Nach dem Spülen: Kamerablick und Dichtheitsprüfung
Wie es um eine Leitung wirklich steht, sieht man erst, wenn sie sauber ist. Bei der Kanal-TV-Untersuchung werden Schäden wie Risse oder verschobene Muffen sichtbar und mit Foto und Meterangabe festgehalten. Mit einer Dichtheitsprüfung per Wasser- oder Luftdruck lässt sich feststellen, ob Abwasser ins Erdreich gelangt. Undichte Rohre können den Boden ausspülen und das Grundwasser verschmutzen.
Ob Sie prüfen lassen müssen, regelt in Baden-Württemberg die Abwassersatzung Ihrer Gemeinde. Lohnend ist die Prüfung vor allem beim Kauf eines Hauses oder wenn es immer wieder verstopft. Finden sich Schäden, lassen sich viele davon inzwischen grabenlos beheben, ohne dass Garten oder Einfahrt aufgegraben werden müssen.






